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  3. Herausforderungen von CDR

Herausforderungen von CDR

Das CO₂-Bindepotenzial einzelner CDR-Maßnahmen ist begrenzt, weshalb neben tiefgreifenden Emissionsreduktionen ein Bündel verschiedener Maßnahmen erforderlich ist, deren Synergieeffekte und Zielkonflikte sorgfältig abgewogen werden müssen. Eine wesentliche Rolle spielen dabei Herausforderungen und Chancen, die mit der Umsetzung von CDR-Maßnahmen verbunden sind und auf die der folgende Text eingeht.

 

Die im Folgenden beschriebenen Herausforderungen und Chancen bei der Umsetzung von CDR basieren auf diversen Interviews mit zentralen, an der Umsetzung von CDR beteiligten Akteuren, die durch Erkenntnisse aus anderen Studien und Publikationen ergänzt wurden. Inhaltlich orientieren sich die einzelnen Aspekte entlang folgender Themen: Ressourcenverfügbarkeit, politische und institutionelle Rahmenbedingungen, Permanenz und bestehende und zukünftige Konfliktlinien. Der Text versucht einen generellen Überblick über die bestehenden Herausforderungen und Chancen zu geben und geht nicht auf eine Nuancierung ein, die je nach Skalierung der Maßnahmen, Klimaszenario, sowie  dem sozioökonomischen Kontext besteht.

 

1. Ressourcenverfügbarkeit

Die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen steht vor vielfältigen Herausforderungen und Chancen, die eng mit der Verfügbarkeit von Ressourcen verknüpft sind. Hierzu zählen sowohl materielle (z.B. Landverfügbarkeit, Finanzen, Technologie), als auch immaterielle (Humankapital, Wissen) Ressourcen, die sich über verschiedene Akteurs- und Verwaltungsebenen erstrecken. Gleichzeitig befinden sich viele, insbesondere neue CDR-Maßnahmen noch im technologischen Entwicklungsprozess, beschrieben durch den technologischen Reifegrad (Technology Readiness Level - TRL) und können daher noch nicht großflächig und kostengünstig bereitgestellt werden. Gezielte Investitionen in Technologie und Forschung können jedoch die Verfügbarkeit und Eigenschaften der Maßnahmen beeinflussen (Politische und institutionelle Gegebenheiten).

a. Limitierte natürliche Ressourcen

Ein entscheidender Faktor für die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen in Deutschland ist die Verfügbarkeit von ausreichend geeignetem Land, einschließlich der Qualität von Boden und Wasser. Bereits heute ist die Landfläche in Deutschland einem hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt, der durch die Implementierung von CDR-Maßnahmen weiter verschärft wird. Dieser resultiert aus dynamischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Anforderungen an Land (Nahrungsmittel, Wohnen, Erholung, Ökosystemleistungen), die durch eine entsprechende Landnutzung (Landwirtschaft, Forst, Urbanisierung, etc.) bedient werden.

Die zukünftige Verfügbarkeit von Land für CDR wird maßgeblich von der sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland und damit einhergehenden verändernden Anforderungen (z.B. durch Änderungen der Lebensstile, demographische Entwicklung, etc.) beeinflusst. Dies kann einerseits Flächenpotenziale für landbasierte CDR-Maßnahmen freisetzen (z.B. durch einen Rückgang des Fleischkonsums), oder andererseits die verfügbaren Flächen weiter reduzieren (z.B. durch steigenden Bedarf an Wohnraum oder Nahrungsmitteln). Die Schaffung von Synergieeffekten zwischen verschiedenen Nutzungsarten ist für eine erfolgreiche Umsetzung von CDR daher von großer Relevanz, beispielsweise durch die Integration von CDR-Maßnahmen in bereits bestehende Landnutzungskonzepte (Stichwort multifunktionale Landnutzung).

Ungenutzte Flächen, die für flächenintensive CDR-Maßnahmen wie Aufforstung in Betracht gezogen werden könnten, gibt es in Deutschland nur in begrenztem Umfang (Elsasser 2008). Folglich müssten vor allem landwirtschaftlich genutzte Flächen (z.B. Ackerland oder Grünland) für solche Maßnahmen umgewidmet werden. Dies resultiert in zusätzlichen Fragestellungen und Herausforderungen bezüglich bestehender Rechtsrahmen (u.a. Verbot von Grünlandumbruch) und potenzieller Nutzungskonflikte (u.a. Nahrungsmittelsicherheit, Verlagerungseffekten, Verteilungsgerechtigkeit, Biodiversität) (Politische und institutionelle Gegebenheiten und Bestehende und zukünftige Konfliktlinien).

Eine weitere Herausforderung, im Speziellen für die Umsetzung von Aufforstungsprojekten, stellt die Verfügbarkeit von Setzlingen dar. Die Kapazitäten der Baumschulen in Deutschland sind derzeit nur in der Lage, den Bedarf an Setzlingen für Wiederaufforstungsmaßnahmen als Folge von Sturmschäden oder Kalamitäten (z.B. durch den Borkenkäfer) zu decken. Diese Engpässe in der Produktion von Setzlingen schränken den Handlungsspielraum für eine proaktive Aufforstung erheblich ein und erschweren die Skalierung landbasierter CDR-Maßnahmen.

b. Finanzkapital

Darüber hinaus ist die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen in Deutschland in hohem Maße von der Verfügbarkeit ausreichender finanzieller Ressourcen abhängig. Die Kosten solcher Maßnahmen variieren je nach Ansatz erheblich und entstehen über lange Zeiträume hinweg – von der anfänglichen Planung und Investition bis hin zu Pflege, Monitoring und langfristiger Instandhaltung.

Dabei sind zahlreiche Kommunen, die über größere Landflächen verfügen, stark verschuldet und neigen dazu, Flächen für kurzfristig rentable Nutzungen, etwa Industrie- oder Gewerbeansiedlungen, bereitzustellen, anstatt in langfristige Aufforstungs- oder Renaturierungsprojekte zu investieren.

Auch für private Landbesitzende und landwirtschaftliche Betriebe stellt die wirtschaftliche Tragfähigkeit landbasierter CDR-Maßnahmen häufig ein finanzielles Risiko dar. So sind die Startphasen bei der Aufforstung arbeitsintensiv und mit hohen Betriebs- und Anschaffungskosten (z.B. für spezialisierte forstwirtschaftliche Maschinen) verbunden. Gleichzeitig fallen die Erträge in dieser Zeit gering aus, während in der Forstwirtschaft insgesamt mit niedrigeren Gewinnen im Vergleich zur Landwirtschaft zu rechnen ist, insbesondere unter Berücksichtigung der deutlich höheren Subventionen im Agrarsektor. Zudem kann die Umwidmung landwirtschaftlicher Flächen für die Aufforstung die Bodenpreise stark beeinflussen, da forstlich genutzte Flächen an Wert verlieren können, während Bodenpreise für verbleibendes Ackerland steigen können. Ohne gezielte finanzielle Unterstützung und sichere Planungshorizonte durch Förderprogramme, CO₂-Zertifikate oder steuerliche Anreize bleiben entsprechende Maßnahmen daher oftmals unattraktiv (Politische und institutionelle Gegebenheiten). Durch die Bereitstellung geeigneter Fördermittel können allerdings auch neue Möglichkeiten entstehen, indem Wirtschaftszweige und Arbeitsfelder im Bereich nachhaltiger Landnutzung, Ökosystemmanagement und Klimaschutz geschaffen werden.

c. Humankapital

Selbst bei ausreichender Finanzierung kann die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen nur gelingen, wenn ausreichend qualifizierte Fachkräfte vorhanden sind, die Planung, Koordination, Durchführung und Kontrolle der Maßnahmen gewährleisten. Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit von Personal eng mit den finanziellen Kapazitäten verknüpft.

In den vergangenen Jahrzehnten ist beispielsweise der Personalbestand in den regionalen Forstverwaltungen trotz spürbar ausgeweiteter finanzieller Förderprogramme, etwa für Wiederaufforstung, klimaangepasste Waldwirtschaft oder das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, deutlich zurückgegangen. Der demografische Wandel verschärft diese Entwicklung zusätzlich: Viele Fachkräfte scheiden altersbedingt aus dem Berufsleben aus, während es an qualifiziertem Nachwuchs mangelt. Die Folgen zeigen sich bereits heute in der unzureichenden Bewältigung von Waldschäden (Permanenz) sowie in der verzögerten Umsetzung dringend notwendiger Schutzmaßnahmen. Langfristig kann der Fachkräftemangel zu weiteren Verzögerungen, Qualitätsmängeln und ineffizienten Abläufen bei der Implementierung landbasierter CDR-Maßnahmen führen.

Fehlende Fachkenntnisse und bestehende Wissenslücken erschweren die Einschätzung von tatsächlichen Potenzialen von CDR-Maßnahmen unter Berücksichtigung potenzieller Risiken, Zielkonflikte und Synergieeffekte. Der Mangel an Informationen betrifft häufig standortabhängige biophysikalische, klimatische und soziale Rahmenbedingungen und beeinflusst sowohl die Auswahl geeigneter Maßnahmen, z.B hinsichtlich deren CO₂-Entnahmepotenzial, die Permanenz des Speichers und der lokalen gesellschaftlichen Akzeptanz. Landbewirtschaftende stehen vor komplexen Entscheidungen, z.B., welche Baumarten bei der Aufforstung oder in der angepassten Waldbewirtschaftung an die jeweiligen Standortbedingungen (z.B. hinsichtlich Bodenbeschaffenheit, Grundwasserverfügbarkeit) angepasst, klimaresistent und ökologisch sinnvoll sind. Die Landnutzungsänderung von  landwirtschaftlicher Bewirtschaftung zu forst- oder agroforstbasierten Systemen erfordert zudem neue Kompetenzen, die vom Maschineneinsatz bis hin zum Management mehrjähriger Kulturen reichen. Gleichzeitig fehlt es vielen Akteuren an praktischer Erfahrung sowie an Zugang zu verlässlichen Informationen und Weiterbildungsangeboten. Diese Defizite hemmen die breite Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen. Eine gezielte Aus- und Weiterbildung von Fachkräften in Berufen mit Bezug zu CDR-Maßnahmen könnte nicht nur die Umsetzungsfähigkeit verbessern, sondern auch Innovationspotenziale im Bereich nachhaltiger Technologien fördern. 

 

2. Politische und institutionelle Gegebenheiten

Politische und institutionelle Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle für die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen in Deutschland. Sie können sowohl fördernd als auch hemmend wirken, indem sie durch Regulierung und Subventionen maßgeblich die Eigenschaften der Maßnahmen (z.B. Kosten, Technologischer Reifegrad) und den Kontext, in dem sie stattfinden (z.B. Landverfügbarkeit, gesellschaftliche Akzeptanz) beeinflussen (Ressourcenverfügbarkeit).

Die Herausforderungen und Chancen liegen dabei vor allem in den Fähigkeiten der Politik und den zuständigen Institutionen, geeignete Rahmenbedingungen zur Förderung landbasierter CDR-Maßnahmen zu schaffen und diese langfristig aufrechtzuerhalten. So benötigen bestehende Institutionen (z.B. Umweltbehörden, Ministerien) hierbei unter anderem ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen, Kompetenzen und Zuständigkeiten, um CDR-Maßnahmen zu planen, implementieren und zu überwachen.

Die Raumplanung übernimmt hierbei eine bedeutende Rolle. Aktuelle Instrumente der Flächennutzungs- und Regionalplanung priorisieren auf kommunaler Ebene häufig sozioökonomische Bedürfnisse (wie Wohnraumentwicklung, Energienutzung oder andere infrastrukturelle Bedürfnisse wie der Bau von Sportstätten) gegenüber langfristigen ökologischen Zielsetzungen. Dementsprechend wird forstbasiertes CDR, etwa durch Aufforstung oder Waldumbau, bislang nur selten in strategische regionale Entwicklungspläne integriert. Um landbasierte CDR-Maßnahmen systematisch zu fördern, sind demnach Anpassungen und die Weiterentwicklung bestehender Planungsmechanismen notwendig.

Durch die Formulierung klarer Ziele (kurz, mittel und langfristig) für CDR sowie entsprechender Strategien zur Zielerreichung können politische Rahmenbedingungen die Grundlage für verlässliche Strukturen und Instrumente (z.B. durch Subventionen, Regulierungen, Schaffung eines Marktumfelds für CDR) generieren. Dies stärkt Anreize und Planungssicherheit, die für die Umsetzung von CDR auf lokaler Ebene von zentraler Bedeutung sind. Demgegenüber können politische Unsicherheiten, kurzfristige Planungshorizonte (z.B. bei Subventions-, oder Regulierungsstrukturen), oder Interessenkonflikte zwischen politischen und gesellschaftlichen Akteuren Investitionsentscheidungen hemmen und die Implementierung landbasierter CDR-Maßnahmen erschweren (Ressourcenverfügbarkeit).

a. Mrv

Ein zentrales Element wirksamer politischer und institutioneller Rahmenbedingungen für die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen ist die Etablierung robuster Systeme zur Messung, Berichterstattung und Verifikation (Measurement/Monitoring, Reporting and Verification, MRV) von CDR-Maßnahmen. Nur durch ein kontinuierliches Monitoring lässt sich überprüfen, ob die angestrebten Ziele erreicht werden und gegebenenfalls eine gezielte Nachsteuerung vornehmen, um die Effektivität der Maßnahmen fortlaufend zu verbessern.

Bedeutende Herausforderungen bestehen darin, einheitliche Standards, Methoden und Technologien zu entwickeln, die eine präzise Erfassung, Nachverfolgung und Überprüfung von CO₂-Entnahmen ermöglichen – also welche Maßnahme wie viel CO₂ bindet und wo und über welchen Zeitraum es gespeichert wird. Besonders bei natürlichen Kohlenstoffspeichern wie Böden oder Wäldern, aber auch bei CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage) ist dies relevant, aber auch anspruchsvoll (Permanenz). Verlässliche MRV-Systeme bilden daher die Grundlage für Kontroll-, Steuerungs- und Anreizmechanismen, die sowohl die Wirksamkeit als auch die Integrität der Maßnahmen sicherstellen. Existierende regulatorische Rahmenbedingungen für MRV in Deutschland und der EU sind bislang noch fragmentiert und unzureichend entwickelt, was ein ambivalentes Umfeld für die Entwicklung belastbarer Geschäftsmodelle, insbesondere für forstbasierte CDR-Methoden, schafft (Arcusa & Sprenkle-Hyppolite 2022). Uneinheitliche Validierungs- und Zertifizierungsprozesse erhöhen das Risiko des „Double Countings“ von CO₂-Entnahmen sowie von fehlgeleiteten Anreizstrukturen und können so Investitionen hemmen und Unsicherheiten hinsichtlich der tatsächlichen Klimawirkung erzeugen, wodurch das Vertrauen in CDR-Maßnahmen geschwächt wird. Gleichzeitig bieten klare MRV-Standards erhebliche Chancen, indem sie die Grundlage für verlässliche Märkte und Finanzierungsinstrumente ermöglichen, wodurch ein stabiles Marktumfeld für CDR geschaffen werden kann, das die Investitionssicherheit in CDR begünstigt.

Darüber hinaus sind transparente MRV-Systeme entscheidend für die gesellschaftliche Akzeptanz von CDR-Maßnahmen. Sie ermöglichen Nachvollziehbarkeit und Gerechtigkeit, indem sie sicherstellen, dass CO₂-Entnahmen real, dauerhaft und überprüfbar sind und somit kein Risikotransfer in die Zukunft erfolgt (Bestehende und zukünftige Konfliktlinien).

b. Gesetzgebung

Darüber hinaus spielen die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene eine entscheidende Rolle für die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen. Die Implementierung muss dabei stets im Einklang mit dem bestehenden Rechtsrahmen erfolgen. Anpassungen und Weiterentwicklungen bestehender Gesetze – wie zuletzt beim Kohlenstoffspeicherungsgesetz (KSpG) – können hierfür notwendig sein, sollten jedoch sorgfältig abgewogen werden, um Zielkonflikte und unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Herausforderungen entstehen insbesondere dort, wo unterschiedliche gesetzliche Regelungsbereiche und Interessen miteinander kollidieren. So können etwa Naturschutzgesetze die Möglichkeiten zur zusätzlichen Kohlenstoffspeicherung durch eine Änderung der Waldbewirtschaftung erheblich einschränken, selbst wenn eine aktive Bewirtschaftung langfristig sowohl der Biodiversität als auch der Kohlenstoffbindung zugute käme.

Unsicherheiten hinsichtlich sich verändernder Rechtsvorschriften, z.B. in Bezug auf die Aufforstung landwirtschaftlicher Flächen (Stichwort Grünlandumbruch), untergraben zusätzlich die langfristige Investitionssicherheit für Aufforstungsprojekte. Diese Unsicherheit über die Beständigkeit von Anreiz- und Förderstrukturen steht im direkten Widerspruch zu den langfristigen Verpflichtungen, die insbesondere für eine erfolgreiche Umsetzung forstbasierter CDR-Maßnahmen erforderlich sind und deren volles Potenzial sich erst über Jahrzehnte hinweg entfaltet. Maßnahmen wie Aufforstung, CO₂-negative Forstwirtschaft oder Agroforstsysteme verlangen von den Flächenbewirtschaftern (z.B. Landwirt:innen und Waldbesitzende) langfristige Verpflichtungen, die ihre zukünftige Bewirtschaftungsflexibilität einschränken könnten. Dynamische politische und rechtliche Rahmenbedingungen könnten Pfadabhängigkeiten erzeugen, sodass Landnutzungsentscheidungen irreversibel werden und eine Rückführung, beispielsweise in die vorherige landwirtschaftliche Nutzung, unmöglich wird.

c.  Politischer Wille, Priorisierungen und gesellschaftliche Akzeptanz

Der politische Wille, klare Ziele für CDR sowie entsprechende Strategien zu deren Erreichung zu formulieren, ist für die erfolgreiche Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen unerlässlich. Dies umfasst insbesondere die Priorisierung von Maßnahmen, unter Berücksichtigung potenzieller Nutzungskonflikte, wie beispielsweise zwischen Nahrungsmittelproduktion, Biodiversität, Wohnraumnutzung oder anderen gesellschaftlich relevanten Aspekten (Bestehende und zukünftige Konfliktlinien). Ein stabiler politischer Rückhalt und Konsens auf nationaler sowie internationaler Ebene bilden die Grundlage, um CDR-Maßnahmen verlässlich zu fördern.

Dafür ist der gesellschaftliche Rückhalt für die Politik von zentraler Bedeutung. Die Akzeptanz und Unterstützung der Bevölkerung wirken direkt auf die Durchsetzung politischer Maßnahmen und die Umsetzung von landbasiertem CDR. Wenn die Bevölkerung landbasierte CDR-Maßnahmen als notwendig und sinnvoll erachtet, steigt die Bereitschaft, entsprechende politische Maßnahmen zu unterstützen. Umgekehrt können Widerstände aus der Bevölkerung, etwa aufgrund von Ängsten vor den Auswirkungen auf den eigenen Lebensraum oder die Nutzung von Landflächen, die Umsetzung erheblich erschweren. Neben der gesellschaftlichen Akzeptanz politischer Maßnahmen ist die Zustimmung der Landbesitzenden für die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen von zentraler Bedeutung (Bestehende und zukünftige Konfliktlinien).

Die Integration landbasierter CDR-Maßnahmen fügt der ohnehin komplexen Landnutzungsstruktur in Deutschland eine weitere Ebene hinzu. Die begrenzte Fläche Deutschlands erfüllt bereits mehrere Nutzungsanforderungen, wie Nahrungsmittelproduktion, Erholung, oder dem Schutz der biologischen Vielfalt. Vor diesem Hintergrund sind Interessenkonflikte zwischen verschiedenen Akteuren wie Landwirten, Förstern, politischen Entscheidungsträgern oder Klimaaktivisten sowohl auf nationaler als auch lokaler Ebene unvermeidbar. Diese Vielschichtigkeit erschwert politische Steuerung und räumliche Planung erheblich, da Regulierungsbehörden zunehmend komplexe Abwägungen bei der Priorisierung unterschiedlicher Landnutzungsformen treffen müssen, beispielsweise zwischen Freiflächen-Photovoltaikanlagen, landwirtschaftlicher Nutzung und Aufforstung. Die Förderung multifunktionaler Landnutzungen und die Nutzung von Synergieeffekten sind daher dringend erforderlich.

 

3. Permanenz

Trotz des Potenzials von CDR-Maßnahmen bestehen Herausforderungen und Unsicherheiten hinsichtlich der Dauerhaftigkeit ihrer CO₂-Speicherung. Die Permanenz der Kohlenstoffspeicherung hängt stark von der jeweiligen Maßnahme ab und wird maßgeblich durch deren Anpassungsfähigkeit und Stabilität gegenüber den Folgen des Klimawandels beeinflusst. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen konventionell biologischen und technischen CDR-Verfahren.

Konventionelle biologische CDR-Verfahren, wie die (Wieder-)Aufforstung von Wäldern oder Maßnahmen zur Steigerung des Kohlenstoffgehalts im Boden sind in der Praxis bereits lange erprobt und stellen derzeit über 99 % der globalen CO₂-Entnahme dar. Zwar können solche CDR-Maßnahmen CO₂ über Jahrzehnte bis Jahrhunderte hinweg speichern, jedoch sind die entsprechenden Speicher sehr störungsanfällig. Ihre Stabilität und Permanenz wird insbesondere durch die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels gefährdet. So können beispielsweise Waldbrände oder Dürren zu einer schnelleren Reversibilität führen, bei der das gespeicherte CO₂ wieder freigesetzt wird.

In Deutschland wird das Potenzial von Wäldern als Kohlenstoffsenke zusätzlich durch die abnehmende Stabilität und Vitalität der Wälder eingeschränkt. Dies ist einerseits auf einen sinkenden Anteil gesunder Fichtenbestände bei gleichzeitig steigendem Durchschnittsalter der Wälder zurückzuführen und andererseits an der Zunahme von Waldschäden auf instabilen Standorten, etwa durch Dürre oder Borkenkäferbefall, die infolge des Klimawandels voraussichtlich weiter zunehmen werden (Ma et al. 2023). Diese Herausforderungen betonen die Notwendigkeit für rasche und umfassende Waldumbau- und Managementmaßnahmen, die sowohl die Widerstandsfähigkeit der Wälder erhöhen als auch die langfristige Permanenz der CO₂-Speicherung sichern. Bei landwirtschaftlichen CDR-Maßnahmen (z.B. Humusaufbau, Agroforst) zeigen sich darüber hinaus auf der praktischen Umsetzungsebene bislang noch starke Unsicherheiten bezüglich des tatsächlichen CO₂-Bindepotenzials und der Dauerhaftigkeit dieser Speicher.

Technische Verfahren zur CO₂-Entnahme, wie BECCS (Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und Speicherung) und DACCS (Direkte CO₂-Abscheidung aus der Atmosphäre mit langfristiger Speicherung), basieren auf der Anwendung von CCS-Technologien (CO₂-Abscheidung und Speicherung). Um als CDR-Maßnahme zu gelten, muss das gespeicherte CO₂ zuvor tatsächlich über biologische oder (geo)chemische Prozesse aus der Atmosphäre  entnommen worden sein. Die Speicherung von CO₂ in geologischen Formationen gilt gemeinhin als dauerhaft, insbesondere, wenn das Kohlendioxid im Untergrund mineralisiert. Gleichzeitig bestehen potenzielle Risiken von Leckagen sowie rechtliche und geologische Unsicherheiten hinsichtlich geeigneter Speicherstätten. Zudem befinden sich technische Entnahmeverfahren, abgesehen von wenigen Pilotanlagen, noch in der Entwicklungsphase.

Die genaue Erfassung und Überprüfung von Kohlenstoffflüssen stellt sowohl bei technischen als auch biologischen CDR-Maßnahmen eine wesentliche Herausforderung dar. Daher ist die Entwicklung robuster, transparenter und einheitlicher Systeme zur Messung, Berichterstattung und Verifizierung (MRV) von CO₂-Entnahmen essentiell (Politische und institutionelle Gegebenheiten).

 

 

4. Umgang mit bestehenden und zukünftigen Konfliktlinien

Herausforderungen bei der Umsetzung landbasierter CO₂-Entnahme sind eng mit bestehenden und zukünftigen Konfliktlinien verknüpft. Im Folgenden werden zentrale Spannungsfelder exemplarisch im Zusammenhang mit Biodiversität und Umweltfaktoren, Nahrungsmittelsicherung, Fragen von Gerechtigkeit und Fairness sowie kultureller Bedeutung und gesellschaftlicher Akzeptanz skizziert. Die Auseinandersetzung mit diesen Konfliktlinien verdeutlicht zugleich enge Wechselwirkungen mit weiteren zentralen Herausforderungen, wie politischen Rahmenbedingungen und Priorisierungen, oder der gesellschaftlichen Akzeptanz für landbasierte CDR-Maßnahmen.

a. Biodiversität und Umweltfaktoren

Die Implementierung landbasierter CDR-Maßnahmen birgt sowohl Herausforderungen als auch Chancen für eine Vielzahl von Umweltfaktoren. Ein zentrales Element stellt hierbei die Biodiversität dar, für die CDR-Maßnahmen sowohl Synergien als auch Zielkonflikte schaffen können. 

So kann etwa eine naturnahe Aufforstung positive Effekte auf die regionale Artenvielfalt gegenüber der Flächenvornutzung haben und gleichzeitig die Kohlenstoffbindung erhöhen. Im Gegensatz dazu bergen andere Maßnahmen, wie zum Beispiel die Pflanzung von Monokulturen im Rahmen von Aufforstung und BECCS, auch Risiken für die Biodiversität. Solche Beeinträchtigungen der ökologischen VIelfalt können wiederum die Permanenz der CO₂-Speicherung beeinträchtigen, da weniger resiliente Ökosysteme anfälliger für Störungen, wie Schädlinge, oder Dürren sind, die zur Reversibilität der Kohlenstoffbindung führen (Permanenz). Der Schutz und die Förderung ökologischer Funktionen stellt daher einen zentralen Bestandteil bei der Planung und Bewertung von CDR-Maßnahmen dar.

Umweltveränderungen durch CDR können zudem die Gesundheit und das Wohlergehen von Menschen (z.B. durch den Ausbau oder die Einschränkung von Erholungsflächen) und Tierarten (z.B. durch die Einschränkung ihres Habitats) beeinflussen und gleichzeitig deren Anpassungskapazitäten an den Klimawandel schwächen oder stärken (z.B. Hochwasserretentionsflächen). Da verschiedene Standorte unterschiedliche geologische und ökologische Bedingungen bzw. Ökosystemleistungen (z.B. Bodenqualität, Wasserverfügbarkeit) aufweisen, sollte die Auswahl der geeigneten CDR-Maßnahme standortspezifisch erfolgen. Potenzielle Wechselwirkungen zwischen CDR-Maßnahmen und den Umweltbedingungen sind daher von lokalen Bedingungen abhängig (so ergibt etwa Aufforstung nicht auf jeder beliebigen Fläche Sinn) und lassen sich somit nicht auf alle Flächen übertragen. Die Integration von CDR-Maßnahmen in regionale Planungsprozesse ist daher essentiell, um die Anpassungsfähigkeit und Resilienz regionaler und überregionaler Ökosysteme zu berücksichtigen. Darüber hinaus sind standortspezifische Gegebenheiten eng mit Fragen der Verteilungsgerechtigkeit in Bezug auf Kosten und Nutzen der Maßnahmen verknüpft.

Verlagerungseffekte können darüber hinaus Zielkonflikte mit der Biodiversität in anderen Weltregionen verstärken. Wenn landbasierte CDR-Maßnahmen großflächig auf landwirtschaftlicher Nutzfläche umgesetzt werden, kann dies zu einer Externalisierung der Nahrungsmittelproduktion in andere Regionen führen, wo wiederum zusätzlicher Druck auf Ökosysteme und Biodiversität entsteht (Nahrungsmittel). Ebenso kann die direkte Externalisierung von CDR-Maßnahmen in anderen Regionen zu ähnlichen Zielkonflikten zwischen Maßnahme und Biodiversität führen, wie im nationalen Kontext.

b. Nahrungsmittel

Die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen steht in engem Zusammenhang mit Fragen der Nahrungsmittelverfügbarkeit. Da diese Maßnahmen, wie etwa Aufforstung (über die Nutzung von Acker- und Grünlandflächen) häufig zusätzliche Flächen beanspruchen, können potenzielle Nutzungskonflikte mit der landwirtschaftlichen Produktion entstehen (Ressourcenverfügbarkeit). Das Ausmaß dieser Konflikte hängt stark von der gesellschaftlichen Entwicklung ab und welche Anforderungen an die Landwirtschaft gestellt werden, wobei Ernährungsgewohnheiten (insbesondere im Fleischkonsum) und der Bewirtschaftungsform eine zentrale Bedeutung zuteilwerden. Klimatische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Erträge und Nutzbarkeit der Böden wirken zusätzlich darauf ein. 

Bei Nutzungskonflikten um verfügbare Flächen kann die Ausweitung landbasierter CDR-Maßnahmen zu Externalisierungseffekten führen, wobei Teile der Nahrungsmittelproduktion ins Ausland verlagert werden. Dies kann zu Importabhängigkeiten und  externalisierten Biodiversitätsverlusten führen (Biodiversität).

c. Gerechtigkeit und Fairness

Die Umsetzung von CDR-Maßnahmen erfordert nicht nur technologische und wirtschaftliche Überlegungen, sondern auch eine sorgfältige Berücksichtigung sozialer und ethischer Aspekte. Dabei ist es wichtig, verschiedene Gerechtigkeitsdimensionen sowie die Einbindung der Gesellschaft in Entscheidungsprozesse zu integrieren. 

Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Verteilungsgerechtigkeit, die eine faire Verteilung von Kosten, bzw. Belastungen und Nutzen durch CDR-Maßnahmen thematisiert. Dazu zählen etwa Auswirkungen auf die Umwelt, Energieversorgung oder Landnutzungskonflikte. In der praktischen Umsetzung von CDR lassen sich in diesem Zusammenhang konkrete Fragestellungen ableiten: Welche Regionen oder Bundesländer sollten den größten Anteil an Aufforstungsmaßnahmen tragen? Welche Landbesitzer stemmen die Hauptlast solcher Projekte, und wer trägt die damit verbundenen Kosten? Ebenso stellen sich Fragen, wie die entstehenden Nutzen verteilt werden und wer profitiert? Sollten wirtschaftliche Aspekte,  beispielsweise durch die Nutzung von Biomasse- oder Holzressourcen oder soziale Aspekte, z.B. durch den gesamtgesellschaftlichen Zugang zu neuen Erholungs- und Naturräumen priorisiert werden?

Darüber hinaus erfordern auch Gerechtigkeitsaspekte zwischen den Generationen (intergenerationelle Gerechtigkeit) besondere Aufmerksamkeit. Diese betreffen insbesondere die Frage, ob durch CDR entstehenden Risiken in verantwortbarer Weise auf zukünftige Generationen verlagert werden oder ob dadurch neue Belastungen entstehen. Von zentraler Bedeutung ist, wie gegenwärtige Entscheidungen die Handlungsspielräume, Chancen und Lebensbedingungen zukünftiger Generationen prägen. Besonders deutlich wird dieses Spannungsfeld bei landbasierten CDR-Maßnahmen: Wenn etwa Aufforstungsprojekte Vorrang vor der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion erhalten (oder umgekehrt), könnten zukünftige Generationen entweder mit einer verringerten Ernährungssicherheit, bzw. zunehmenden Importabhängigkeiten, oder mit unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen konfrontiert sein. Dabei umfasst Generationengerechtigkeit nicht nur die Frage nach möglichen Belastungen durch CDR, sondern auch potenzielle Konsequenzen von unzureichend ambitionierten Klimaschutz- und CDR-Zielen.

Eine zentrale Herausforderung für die Implementierung von CDR liegt in der Einbindung verschiedener gesellschaftlicher Akteure in den Umsetzungs- und Entscheidungsprozess. Dies stellt allerdings eine wichtige Voraussetzung für die gesellschaftliche Akzeptanz der Maßnahme dar (Politische und institutionelle Gegebenheiten). Durch eine transparente Kommunikation über Risiken, Interessenkonflikte, Effektivität und Standards können das Vertrauen und die Akzeptanz gesteigert werden.

Neben den für die Umsetzung von CDR auf nationaler Ebene wichtigen Gerechtigkeits- und Fairnessaspekten gewinnt auch die Frage nach globaler Gerechtigkeit an Bedeutung. Dies ist insbesondere der Fall, wenn CDR-Maßnahmen oder die landwirtschaftliche Produktion in andere Weltregionen ausgelagert werden, aber auf nationaler Ebene (sektoral) zur Erreichung der Klimaziele angerechnet werden. Dieser Ansatz gewinnt im Zuge der überarbeiteten EU-Klimaziele bis 2040 und der geplanten europäischen Rahmenregelungen für CO₂-Entnahmen zunehmend an Relevanz. Solche Formen des Exports von Verantwortlichkeiten können z.B. durch Verlagerungseffekte neue Ungleichheiten schaffen (Biodiversität und Nahrungsmittel), die einer eigenständigen ethischen Bewertung bedürfen.

d. Kulturelle Bedeutung und Akzeptanz

Landschaften sind Träger kultureller Bedeutungen, ästhetischer Werte und sozialer Identität. Die Einbettung landbasierter CDR-Maßnahmen in bestehende Landschaften mitsamt der damit verbundenen Konnotationen stellt daher eine zentrale Herausforderungen dar, kann jedoch auch Chancen bieten. So können einige CDR-Maßnahmen (z.B. nachhaltige Waldbewirtschaftung, Agroforst), positive Effekte für die Biodiversität und die Bedeutung der Landschaft als Erholungsraum haben. Wenn sie das gewohnte Landschaftsbild verändern, können diese Maßnahmen jedoch auch auf Widerstand stoßen. Dies gilt insbesondere für Regionen, in denen traditionelle Landnutzungsformen tief in der lokalen Kultur und im kollektiven Selbstverständnis verankert sind, wie beispielsweise im Alpenvorland oder in landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaften.

Herausforderungen entstehen vor allem dann, wenn CDR-Maßnahmen als Eingriffe in vertraute Landschaften oder kulturelle Werte wahrgenommen werden, etwa in Bezug auf Ästhetik, Erholungsnutzung oder die gewohnte Bewirtschaftungsform. Darüber hinaus können solche Maßnahmen ideologische Spannungen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen hervorrufen, beispielsweise zwischen Akteuren und Akteurinnen aus den Bereichen Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft. Gleichzeitig berührt der Wandel der Landnutzung auch regionale Wertschöpfungsketten, berufliche Rollenbilder und soziale Strukturen, was sich unmittelbar auf die Akzeptanz für CDR-Maßnahmen auswirken kann (Politische und institutionelle Gegebenheiten).

Für die Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen ist nicht nur die Akzeptanz in der breiten Gesellschaft erforderlich, sondern insbesondere auch bei den Landbesitzenden. Viele Landwirte und Landwirtinnen sowie Forstwirte und Forstwirtinnen verbinden mit ihrer Arbeit ein starkes Berufsethos, welches mit einem Selbstverständnis als gesellschaftlicher Versorger verbunden ist. Landbasierte CDR-Maßnahmen wie Aufforstung oder die Einführung von Agroforstsystemen können in dieses berufliche Selbstverständnis und etablierte Praktiken eingreifen und die Bereitschaft zur Umsetzung von CDR blockieren. Innerhalb der Forstwirtschaft bestehen darüber hinaus ideologische Unterschiede, etwa zwischen ökologisch und produktionsorientiert ausgerichteten Leitbildern, die die Akzeptanz zusätzlicher CDR-Maßnahmen beeinflussen können. Zudem erfordern solche Veränderungen neue Kenntnisse, beispielsweise über geeignete Baumarten, Bodeneigenschaften oder notwendige Anpassungen an klimatische Veränderungen . Wissenslücken und Unsicherheiten hinsichtlich langfristiger ökologischer und ökonomischer Folgen können die Skepsis gegenüber neuen Landnutzungsansätzen verstärken (Ressourcenverfügbarkeit). 

Neben kulturellen und sozialen Faktoren spielen auch Landbesitzstrukturen eine zentrale Rolle für die praktische Umsetzung landbasierter CDR-Maßnahmen. Wer über das Land verfügt und über die Nutzung entscheidet, hat demnach einen entscheidenden Einfluss darauf, ob CDR-Maßnahmen umgesetzt werden können. In Deutschland befindet sich beispielsweise rund die Hälfte der Waldfläche in Privatbesitz, verteilt auf wenige große sowie eine Vielzahl kleinflächiger, regional verstreuter Eigentümer. Diese Heterogenität zeigt sich auch in unterschiedlichen Interessen und Kapazitäten (z.B. finanziell und operationell) der Waldeigentümer, wodurch eine effektive und flächendeckende Umsetzung politischer Initiativen (z.B. zur Förderung CO₂-negativer Wälder) beeinflusst wird.

 

Quellen

  • Comment on CDR
  • Text Till Markus
  • State of CDR
  • Elsasser 2008
  • Arcusa & Sprenkle-Hyppolite 2022
  • Ma et al. 2023
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