Die benötigte Menge an CDR hängt maßgeblich von den politischen Zielen ab, die sowohl auf globaler als auch nationaler Ebene formuliert werden. Auf internationaler Ebene, wie im Pariser Abkommen festgelegt, erfordern ambitionierte Klimaziele zusätzlich zur drastischen Emissionsreduktion einen umfangreichen Einsatz von CDR. Globale Modellierungen zeigen, dass der Umfang notwendiger CDR Maßnahmen für das Erreichen der 1,5°C und 2°C Ziele eine Verdrei- bis Vervierfachung des aktuellen Umfangs globaler CDR Maßnahmen bedeutet (Smith et al. 2024). Auch im Hinblick auf Overshoot-Szenarien ist CDR ein wichtiger Faktor (Babiker et al. 2022).
Auf europäischer und nationaler Ebene wird sowohl die Notwendigkeit als auch die erforderliche Menge von CDR über die politische Zielsetzung zur Erreichung der Treibhausgasneutralität, bzw. -negativität bestimmt. Um Netto-Null bzw. Netto-Negativ-Emissionen erreichen zu können, bedarf es eines gewissen Beitrags an CDR (andernfalls Null-Emissionsziel). Die Europäische Union möchte bis zum Jahr 2050 den Treibhausgasausstoß auf Netto-Null reduzieren und anschließend Netto-Negativ Emissionen erlangen (Europäische Union 2023). Deutschland möchte dieses Ziel bereits im Jahr 2045 erreichen (KSG 2024).
Der Umfang der bestehenden Restemissionen bestimmt über den notwendigen Umfang von CDR, um Netto-Null- bzw. Netto-Negativ-Emissionen zu erreichen. Diese Restemissionen hängen eng mit der Geschwindigkeit und dem Umfang der Treibhausgasminderung zusammen und sind somit eng mit der sozioökonomischen Entwicklung verknüpft. Sozioökonomische Entwicklungen umfassen eine Vielzahl an Faktoren (z.B. Lebensstile, Demographie, Bildung, Wirtschaft, Energie, Technologie, etc.), die den Umfang der Emissionen bestimmen und die Landnutzung maßgeblich beeinflussen (Popp et al. 2017; Winkler et al. 2021). All diese Faktoren finden sich in den sechs für Deutschland entwickelten sozioökonomischen Entwicklungspfaden (SSPs) wieder, die im Zuge des Forschungsprojektes STEPSEC entwickelt wurden.
Im Ariadne-Report “Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045 - Szenarien und Pfade im Modellvergleich” wird deutlich, dass das Erreichen des Klimaneutralitätsziels nur durch eine beispiellos zügige und tiefgreifende gesellschaftliche und energietechnische Transformation möglich ist. Nur so ließe sich die Menge der schwer-vermeidbaren Restemissionen auf ca. 5 bis 10% der Emissionen des Basisjahres 1990 (41-74 MtCO₂äq/Jahr) reduzieren. Hierfür wäre die Vermeidung aller energiebedingten CO₂-Emissionen, die Vermeidung von Prozessemissionen aus der Industrie durch CCS sowie eine deutliche Reduktion der Tierbestände notwendig. Laut Adriadne-Studie ließe sich diese CO₂-Menge durch ein umfangreiches CDR Portfolio ausgleichen, wobei ein nicht unerheblicher Teil davon geologisch gespeichert werden und die Senkenleistung des Waldes massiv ausgebaut werden müsste (Ariadne Report 2025).
Quellen
Ariadne Report: Gunnar Luderer (Hrsg.), Frederike Bartels (Hrsg.), Tom Brown (Hrsg.), Clara Aulich, Falk Benke, Tobias Fleiter, Fabio Frank, Helen Ganal, Julian Geis, Norman Gerhardt, Till Gnann, Alyssa Gunnemann, Robin Hasse, Andrea Herbst, Sebastian Herkel, Johanna Hoppe, Christoph Kost, Michael Krail, Michael Lindner, Marius Neuwirth, Hannah Nolte, Robert Pietzcker, Patrick Plötz, Matthias Rehfeldt, Felix Schreyer, Toni Seibold, Charlotte Senkpiel, Dominika Sörgel, Daniel Speth, Bjarne Steffen, Philipp C. Verpoort (2025): Die Energiewende kosteneffizient gestalten: Szenarien zur Klimaneutralität 2045. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam. https://doi.org/10.48485/pik.2025.003
Babiker, M., Berndes, G., Blok, K., Cohen, B., Cowie, A., Geden, O., Ginzburg, V., Leip, A., Smith, P., Sugiyama, M., & Yamba, F. (2022). Cross-sectoral perspectives. In IPCC, 2022: Climate Change 2022: Mitigation of Climate Change. Contribution of Working Group III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [P.R. Shukla, J. Skea, R. Slade, A. Al Khourdajie, R. van Diemen, D. McCollum, M. Pathak, S. Some, P. Vyas, R. Fradera, M. Belkacemi, A. Hasija, G. Lisboa, S. Luz, J. Malley, (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, UK and New York, NY, USA. doi: 10.1017/9781009157926.005
Europäische Union (2023): At a Glance. Fit for 55 explainer. Revised Effort-sharing Regulation.
Verfügbar unter: https://www.europarl.europa.eu/thinktank/en/document/EPRS_ATA(2023)754624.
Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) (2024): https://www.gesetze-im-internet.de/englisch_ksg/englisch_ksg.pdf
Popp, A., Calvin, K., Fujimori, S., Havlik, P., Humpenoder, € F., Stehfest, E., Bodirsky, B.L., Dietrich, J.P., Doelmann, J.C., Gusti, M., Hasegawa, T., Kyle, P., Obersteiner, M., Tabeau, A., Takahashi, K., Valin, H., Waldhoff, S., Weindl, I., Wise, M., Kriegler, E., Lotze-Campen, H., Fricko, O., Riahi, K., van Vuuren, D.P. (2017): Land-use futures in the shared socio-economic pathways. Glob. Environ. Chang. 42, 331–345. https:// doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2016.10.002
Winkler, K., Fuchs, R., Rounsevell, M. & Herold, M. (2021): Global land use changes are four times greater than previously estimated. Nat Commun 12, 2501. https://doi.org/10.1038/s41467-021-22702-2
